"HUMAN CONDITIONS" 2021 |installation|solo exhibition|burg giebichenstein - university of art and design , halle - DE

Moritz Danner entwickelt in seiner künstlerischen Arbeit eine eigene Formsprache aus verschiedensten Materialien und ausgewählten Gegenständen, die er dem alltäglichen- menschlichen Umfeld entzieht und für sich neu definiert. Dabei beschäftigt sich der Künstler mit stattgefundenen Handlungen und Informationen der Gegenwart und transformiert sie in ein eigenes visuelles und physisches Gegenüber.

In seinen Installationen werden die verschiedenen objekthaften Formulierungen neu verhandelt. Oft werden sie auf einem selbst festgelegtem Handlungsraum, wie einem ausgerolltem Teppichboden, einem stillgelegtem Auto oder einer aufgeschütteten Kiesfläche reflektiert und in ihrer Relevanz und Verortung neu ausgelotet.

 

Wie ein Gebilde aus Fetzen einer intimen, teils humoristischen Gegenwartsbewältigung setzt sich Moritz Danner mit der „Natur des Menschen“ und dem Begriff „human condition“ auseinander und fokusiert sich auf die allgemeinen Bedingungen und Umständen der menschlichen Existenz. Wie ein lückenhafter Tatsachenbericht, aus einzelnen gegenständlichen Indizien, versucht der Künstler einen Anschein von einem „Groß und Ganzen“ zu konstruieren. Der jedoch in einem ungeklärtem und ungelöstem Zustand bleibt und weiterhin nach Lösungen und/oder Wendungen recherchiert.

Bei dem Begriff „human condition“ (lat. humana conditio) bezieht sich der Künstler auf die politische Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt. Die sich in Ihrem 1958 veröffentlichen Buch vita activa (engl. the human condition) unteranderem mit der These der Selbstentfremdung des Menschen von seiner Natur durch kapitalistische Arbeit und Produktionsprozesse auseinandersetzt.
Darin antwortet Arendt auf Marx’ Kritik der modernen Gesellschaft (Karl Marx, Pariser Manuskripte 1844), dass nicht die Tätigkeiten der Arbeit und des Herstellens die Ursache ist, sondern die Tätigkeit des Handeln. Also das Handeln, die einzige Tätigkeit ist, wodurch der Mensch im eigentlichen Sinne zu dem werden kann, was er ist.

Anlehnend dieser beschriebenen These und Analyse von Hannah Arendt beschäftigt sich Moritz Danner mit der Frage menschlicher Konditionen und deren damit verbundenen Zuständen. Die er stetig mit selbst gewählten Mitteln und künstlerischen Umgangsformen zu formulieren versucht.

 

 

text // Albert Jakob Kreitner // 2021             ausstellungsansicht|installation "dickicht" 2019

 

 


PLOT TWIST / von Johannes Fuchs und Moritz Danner / installation / 2020

 

mms offspace galerie, bremen

 

 

 


PLOT TWIST
Was passiert, wenn das Kunstwerk als physischer Gegenstand, als Fetischobjekt, aus dem Raum entschwindet? Was beinhaltet eine künstlerische Praxis abseits der Produktion von Kunstwerken?

 

Die Ausstellung PLOT TWIST von Moritz Danner und Johannes Fuchs im MMS Raum bewegt sich ästhetisch zwischen verwachsener Ruine und Rückständen einer szenischen Situation. Humorvoll wie spielerisch inszenieren die beiden Künstler gemeinsam ein Sammelsurium von Leerstellen, Unvollständigkeiten, Unvollkommenheiten. In den Räumen entsteht durch plakatives Leerlassen von Sockeln, Rahmen, ganzer Wände ein Moment der Irritation. Es zeigt auch, welche bedenkenlose Macht dem Kunstraum als institutionalisierter Rahmen
zugeschrieben wird, wenn alles in ihm Präsentierte auratisch aufgeladen wird. Dabei eröffnet sich die Frage nach der Zeitgemäßheit dieser Aufladung. Befragt wird das transformatorische Potenzial der Zuordnungen von Räumen und Aufgaben der Kunst. Beispielhaft versteht sich MMS zugleich als Diskursort, Atelier, Forschungslabor und Präsentationsfläche.


Als Gegenentwurf zur üblichen Präsentation auratischer Objekte, legen die Bildhauer verschiedenste Rahmungsformen der Kunst offen und übergeben den Rezipierenden den kreativen Prozess des Komplementierens dieser Leerstellen.
Die Ausstellung PLOT TWIST verhandelt die Qualifikation des künstlerischen Subjekts zur Idee in Abkehr zu der Rezipierenden. In Beuys'scher Manier provoziert sie somit die Emanzipation des Blickes, nicht nur im Sinne des Sehens, sondern auch des Imaginierens, Vervollständigens, Erschaffens.


Das gemeinsame Erarbeiten und Verhandeln von Konzept und Werken durch Moritz Danner und Johannes Fuchs formiert im Vorlauf der Ausstellung. Sie tauschen sich aus, begutachten ihren Fundus an Objekten, Szenarien, Erinnerungsfragmenten und Prägungen. Eine räumliche Collage aus Requisiten einer unvollkommenen Erzählung stellt schließlich die Frage: Was, wenn die Grenzen von Ausstellung, ausgestellten Objekten und Kunstwerk
zunehmend verschwimmen, wann werden Kunstwerke ausgestellt und wann ist die
Ausstellung selbst das Kunstwerk? Als räumliche Verhandlung über Lücken, Leerstellen und Unverständnissen bewegt sich PLOT TWIST zwischen Ausstellung und Kulisse, aus dem Austausch und gemeinsamen Arbeiten wird ein unvollkommenes Ganzes.


text // Paulina Seyfried // 2020