Wie leben wir in der gemachten Ordnung um das Leben zu ertragen? - Die Dinge, die unsere Zeit mitgestalten und formen.


„Früher wurde mir gesagt, es sei ein Ordnungswahn. -
Immer in der Versuchung den einen oder den anderen Gegenstand im Raum an die, für mich, richtige Stelle zu rücken.

Stifte mussten parallel zu einander liegen, die Post ordentlich aufeinander gestapelt und im Rechtenwinkel zur Tischkante platziert werden. Sowie nicht zu vergessen, die mit Klebeband angehefteten, mit zwei einhalb Zentimeter Abstand von einander angelegten Postkarten und Bilder an der Wand. Dort wo das Sofa exakt in der Mitte der Wandfläche stand und auf dem daneben stehenden Tischchen das Weinglas auf einer grauen, mit weisen Pünktchen, Serviette pausierte.
Und nicht zu vergessen, die große, gut bestückte Obstschale. Die von der dunklen hölzernen Komode, untenrum mit zarten Glastüren, hinunter prahlte.


Es ist interessant. Ich vermute, dass das mich beruhigt. Oder ist es doch eher ein Kontrollzwang?
Da sonst Nichts ein Platz in mir findet und mich täglich plagt!


Du glaubst es nicht, aber betrachten wir die aktuelle Situation, sieht es auch nicht besser aus! ...


Seien die Stifte auf einmal Malboro Zigaretten, und das Weinglas, eine kleine Anordnung von Medizinfläschchen. Volles Repertoire des pahrmazeutischen Paradieses. Schmerzmittel, Hustenvernichter sowie jegliche andere Ergänzer, Blocker und Verdränger.
Die angeordneten Postkarten ersetzt durch ausgerissene Zeitungsbilder von Bergen, - vielleicht die Alpen? Aber genau kann ich dir das auch nicht sagen. Die kreuz und quer, und immer mehr, die Wand voll tapezieren. Dazwischen noch ein paar Notizen mit Nägel festgestochen. Worauf Telfonnummern, Dinge - die eingekauft und getan werden müssen, sowie verzweifelte Bemerkungen an die Welt und mich selbst, zu lesen sind.
Auf der Komode aus Holz, mit der zersprungenen Glastür, steht nun, statt ein vitaminreiches Arrangment, ein Mix aus verschiedensten Flaschenformaten. Schlank, bauchig, kurz und gestreckte Formen. Versehen mit aufälligen Etiketten
oder ganz schlicht und mit edler Austrahlung.


Interessant, ... halb leer oder halb voll, senieren sie im Kollektiv vor sich hin.“